Berufsbild

Inspektor/in im Notardienst (Bayern und Pfalz)

Die Tätigkeit im Überblick

Inspektoren und Inspektorinnen im Notardienst sind Besch√§ftigte im √∂ffentlichen Dienst bei der Notarkasse A. d. √∂. R., einer Anstalt des √∂ffentlichen Rechts mit dem Sitz in M√ľnchen.

Als fachkundige und leitende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Notariat unterst√ľtzen sie die Notare und Notarinnen im Freistaat Bayern und in der Pfalz (Landesteil von Rheinland-Pfalz) bei deren hoheitlichen Aufgaben und rechtlichen Dienstleistungen.

Inspektoren und Inspektorinnen im Notardienst sind als qualifizierte Mitarbeiter mit der Vorbereitung und Abwicklung anspruchs- und verantwortungsvoller Vorg√§nge im Notariat betraut. Sie besprechen und gestalten Vertr√§ge und juristische Erkl√§rungen, sie sorgen f√ľr deren richtige und sichere Durchf√ľhrung. Hierunter fallen Gesch√§fte des Grundst√ľcksverkehrs, erb- und familienrechtliche Angelegenheiten sowie Vorg√§nge des Handels-, Gesellschafts- und Registerrechtes.

Inspektoren und Inspektorinnen im Notardienst √ľben als neutrale und fachkundige Vertrauenspersonen eine beratende und gestaltende T√§tigkeit aus.

 

Aufgaben und Tätigkeiten

Besprechen ‚Äď Beraten ‚Äď Verhandeln ‚Äď Zukunft gestalten

Das Notariat genießt in der Bevölkerung und bei den am Rechtsverkehr teilnehmenden Personen großes Vertrauen. Es hat als vertrauensbildende Institution eine wesentliche volkswirtschaftliche Bedeutung, denn, nur wer vertraut, schließt Geschäfte ab. Inspektorinnen und Inspektoren sind als fachkundige Ansprechpartner der Rechtsuchenden ein unverzichtbarer Bestandteil der Institution Notariat in Bayern und in der Pfalz.

Im Notariat wird Zukunft gestaltet. Anders als die meisten juristischen Berufe, die sich vornehmlich mit der Vergangenheit zu besch√§ftigen haben, sind Inspektoren und Inspektorinnen im Notariat meist mit der Zukunft befasst. Sie gestalten und formulieren als fachkundiges Personal der Notarkasse zusammen mit dem Notar/der Notarin und den beteiligten Rechtsuchenden Vertr√§ge und Erkl√§rungen. So entwerfen sie Schriftst√ľcke, die auf Grundlage der Gesetze in der Zukunft Ver√§nderungen bewirken und mit denen die Beteiligten ihre Vorhaben k√ľnftig umsetzen k√∂nnen. Notarielle Regelungen haben oft Bedeutung f√ľr viele Jahre und gar Jahrzehnte.

Inspektoren und Inspektorinnen pflegen vielf√§ltige Kontakte mit Rat und Recht suchenden B√ľrgern, Gesellschaften und Institutionen – m√ľndlich und schriftlich, im pers√∂nlichen Gespr√§ch und telefonisch. Sie er√∂rtern mit den Beteiligten deren rechtliche Vorhaben, Erwartungen und W√ľnsche. Die Sachverhaltsaufkl√§rung ist oftmals eine schwierige Aufgabe. Sie beraten die Rechtsuchenden √ľber bestehende M√∂glichkeiten und stellen falsche rechtliche Vorstellungen richtig. Kontaktf√§higkeit, sprachliche Gewandtheit und die F√§higkeit, die f√ľr Laien oft schwer nachvollziehbaren rechtlichen Gegebenheiten und Erfordernisse verst√§ndlich zu erkl√§ren, sind dabei sehr wichtig. Auch Rechtsanw√§lte, Steuerberater und Wirtschaftspr√ľfer, Rechtspfleger und Richter geh√∂ren zu den Gespr√§chspartnern.

Inspektoren und Inspektorinnen wirken bei Besprechungen und Verhandlungen meist als Ratgeber mit, teils aber auch in mediatorischer Funktion. So vermitteln sie in schwierigen rechtlichen und emotionalen Situationen zwischen den beteiligten Parteien. Hierbei bewegen sie sich auf der Grundlage unbedingter Neutralit√§t und k√∂nnen auf dieser Vertrauensbasis oft auch in streitigen Situationen die Beteiligten auf dem Weg zu einer Einigung f√ľhren und begleiten.

Die Formulierung von rechtlich anspruchsvollen Vereinbarungen, Erkl√§rungen und Antr√§gen, etwa von Scheidungsvereinbarungen, Verf√ľgungen von Todes wegen und gesellschaftsrechtlichen Regelungen geh√∂rt vielfach zur t√§glichen Arbeit. Schlie√ülich sorgen Inspektoren und Inspektorinnen f√ľr die sichere Abwicklung der geschlossenen Vereinbarungen und der rechtlichen √Ąnderungen.

Bei all diesen T√§tigkeiten sind eine gute Auffassungsgabe und ein gro√ües Verantwortungsbewusstsein erforderlich. Insbesondere ist Verst√§ndnis f√ľr die Situation und Einf√ľhlungsverm√∂gen in die – oft gegens√§tzlichen – Interessen der Beteiligten notwendig. H√§ufig sind auch Verhandlungsgeschick und Entscheidungsfreude gefragt. Insgesamt also ein hohes Ma√ü an sozialer und kommunikativer Kompetenz.

Die juristischen Erkl√§rungen werden schriftlich verfasst. Hierf√ľr sind ein gutes Sprachgef√ľhl und ein gutes Formulierungs- und Abstrahierungsverm√∂gen erforderlich, um die Lebenssachverhalte der Rechtssuchenden in juristisch korrekte Urkunden und Schriftst√ľcke umzusetzen, die gleichwohl auch f√ľr den Laien m√∂glichst verst√§ndlich sein sollen. Die Vorschl√§ge und entworfenen Gestaltungen, die Inspektoren und Inspektorinnen erstellen, m√ľssen von sachlich und rechtlich richtigen, unparteiischen Kriterien getragen werden.

Inspektoren und Inspektorinnen im Notardienst haben Einblick in persönliche Daten und Unterlagen. Selbstverständlich unterliegen sie der Schweigepflicht.

Sie nehmen vielfach auch planerische und organisatorische Aufgaben in dem Notariat wahr, in dem sie t√§tig sind, oft haben sie Personal zu f√ľhren oder stehen einem kleinen Team vor.

 

Beispiele f√ľr Aufgaben und T√§tigkeiten im Notariat

Inspektoren und Inspektorinnen im Notariat sind unter anderem befasst

im Immobilienrecht mit:

  • Kauf- und Austauschvertr√§gen, insbesondere unter Ber√ľcksichtigung der spezifischen und oft gegenl√§ufigen Interessen der Vertragsparteien;
  • der Sicherung der Vertragsbeteiligten bei der Abwicklung von Vertr√§gen, insbesondere auch in schwierigen F√§llen, wie etwa bei √úberschuldung, Zwangsversteigerung oder Insolvenz;
  • Schenkungen und √úbertragungen bei Vereinbarung von Pflegeverpflichtungen und Vorbehaltsrechten unter Verwendung von Sicherungsmitteln wie Dienstbarkeiten, Nie√übrauchsrechten, Vormerkungen und Reallasten;
  • Erbbaurechtsbestellungen, Wohnungseigentumsbegr√ľndungen und Wohnungseigent√ľmergemeinschaften;
  • Bau- und Bautr√§gervorhaben, wie etwa Mehrfamilienh√§usern, Wohn- und Gesch√§ftsbauten, gewerblichen Immobilien und Reihenhausanlagen;
  • Hypotheken- oder Grundschuldbestellungen zur Kreditsicherung;

im Erb- und Familienrecht mit:

  • Ehevertr√§gen und Scheidungsvereinbarungen betreffend die Regelung des G√ľterstandes (z. B. Vereinbarung von G√ľtertrennung), des Versorgungsausgleichs (Ausgleich von Rentenanspr√ľchen bei Scheidung) und der Unterhaltsanspr√ľche von Kindern und Ehegatten;
  • Adoptionsantr√§gen;
  • Testamenten und Erbvertr√§gen und den einschl√§gigen erbrechtlichen Gestaltungsmitteln wie Vor- und Nacherbschaft, Testamentsvollstreckung, Verm√§chtnisanordnung, Teilungsanordnung, etc.;
  • Erbscheinsantr√§gen, Erbschaftsausschlagungen, Erb- und Pflichtteilsverzichtsvertr√§gen;


im Handels-, Gesellschafts- und Registerrecht mit:

  • Handelsregisteranmeldungen bei GmbH, AG, oHG, KG und Einzelkaufleuten sowie Anmeldungen zu sonstigen √∂ffentlichen Registern, wie z. B. dem Genossenschafts- oder dem Vereinsregister;
  • Gesellschaftsvertr√§gen von Kapital- und Personengesellschaften;
  • Abtretungen von Gesellschaftsbeteiligungen, insbesondere bei GmbHs.

 

Verg√ľtung und Aufstiegsm√∂glichkeiten

Die k√ľnftigen Inspektoren und Inspektorinnen sind w√§hrend ihrer Ausbildung zum/zur Notarfachangestellten und w√§hrend ihrer Weiterbildung als Inspektoranw√§rter/in Angestellte ihres Ausbildungsnotars bzw. ihrer Ausbildungsnotarin.

Die aktuellen monatlichen Ausbildungsentgelte der Auszubildenden erfahren Sie hier.

Das monatliche Arbeitsentgelt der Inspektoranw√§rter wird zwischen diesen und dem Ausbildungsnotar bzw. der Ausbildungsnotarin frei vereinbart und bewegt sich √ľblicherweise je nach Region zwischen ca. ‚ā¨ 2.000,00 und ca. ‚ā¨ 2.400,00. Tarifvertragliche Vorgaben oder Empfehlungen gibt es hierzu nicht.

Die Verg√ľtung der Inspektoren und Inspektorinnen als fachkundige Mitarbeiter¬†der Notarkasse A.d.√∂.R. richtet sich nach dem ‚ÄěTarifvertrag f√ľr den √∂ffentlichen Dienst der L√§nder‚Äú, dem so genannten ‚ÄěTV-L‚Äú. Da die Ausbildung der Inspektoren und Inspektorinnen mit abschlie√üender Inspektorenpr√ľfung mit einer Fachhochschulausbildung vergleichbar ist, erfolgt bei deren Neueinstellungen eine Eingruppierung in der Entgeltgruppe (EntgGr.) 9, Stufe 2. Nach zwei Jahren werden die Inspektoren und Inspektorinnen in die Stufe 3 h√∂her gestuft. Den TV-L in der aktuellen Fassung sowie die uns betreffende Entgelttabelle (TV-L Anlage B) finden Sie¬†hier. Au√üerdem k√∂nnen Sie sich¬†hier¬†umfangreich √ľber den √∂ffentlichen Dienst informieren.

Abh√§ngig vom Erf√ľllen bestimmter Kriterien, beispielsweise der Pr√ľfungsnote (Platzziffer), den Qualifikationen (Beurteilungen durch den Notar/die Notarin) und dem sonstigen Engagement des Besch√§ftigten, sowie den zur Verf√ľgung stehenden Stellen, k√∂nnen nach beamtenrechtlichen Grunds√§tzen H√∂hergruppierungen erfolgen zum/zur

  • Oberinspektor/Oberinspektorin im Notardienst¬†(EntgGr. 9, Stufe 4);
  • Amtmann/Amtfrau im Notardienst¬†(EntgGr. 10, Stufen 4 und 5);
  • Amtsrat/Amtsr√§tin im Notardienst¬†(EntgGr. 11, Stufe 5);
  • Oberamtsrat/Oberamtsr√§tin im Notardienst¬†(EntgGr. 12, Stufe 5);
  • Notariatsrat/Notariatsr√§tin im Notardienst¬†(EntgGr. 13, Stufe 5).

Daneben erhalten die Beschäftigten der Notarkasse folgende jährliche Entgelte:

  • eine Jahressonderzahlung in H√∂he von 80 % eines Monatsentgeltes in den EntgGr. 9 bis 11 und in H√∂he von 50 % eines Monatsentgeltes in den EntgGr. 12 und 13;
  • eine √úberstundenpauschverg√ľtung in H√∂he von 120 % eines Monatsentgeltes in allen EntgGr.

 

Dar√ľber hinaus haben Besch√§ftigte der Notarkasse nach Ma√ügabe des Verm√∂gensbildungsgesetzes einen Anspruch auf verm√∂genswirksame Leistungen.

 

Die Notarkasse stellt ihren Mitarbeitern weiterhin als Sozialeinrichtung die Nutzung von Ferienwohnungen gegen einen verg√ľnstigten Nutzungspreis zur Verf√ľgung. Derzeit existieren Ferienwohnungen in Bayern, in der Pfalz sowie an der Ostsee.